Karten zeigen, oder nicht?

Es geschah vor gar nicht all zu Langer Zeit, in einem fernen-fernen Land in Las Vegas. In einem Hotel, daß den Namen einer italienischen Stadt trägt, die durch Wasserstraßen gekennzeichnet ist.

Dieses Hotel hat den Ruf, aus aller Herren Länder gute Pokerspieler anzuzuziehen. Auch ist es das Stammcasino vieler Las Vegas Pros und man läuft im Grunde immer einem über den Weg, wenn man sich dort aufhält.

Dies war mein Ziel, um mich bei einem zünftigen 2-5$ cash Game niederzulassen. Der Tisch war recht schnell sondiert und ich wußte, wo die guten und starken Gegner saßen. Dies zu erkennen ist wichtig, noch wichtiger ist aber, die mutigen und weniger begabten Spieler zu erkennen und gegen diese eine Spielstrategie zu entwickeln. Diese Partie verließ ich mit einem stolzen Plus, war aber trotzdem verärgert. Und dies war passiert……………

Links neben mir saß ein weak tighter Spieler, der dazu im Stande war, Top Pair Top Kicker zu folden, wenn die Action zu groß wurde. Dieser war mein Gegenspieler Nr.1, da hier immer gute Pötte auf dem Turn zu generieren waren.

Der linke Spieler neben ihm zeichnete sich durch andere Attribute aus. Diesem Herren war es sehr wichtig, maskulin zu gelten und ich beobachtete ihn, daß er seinen Live Straddle (LS) jedesmal gegen eine Limperschaft raiste. Mein Image war wie immer tight, doch wenn ich spielte, spielte ich agressiv.

So geschah es, daß unser LAG einen LS setzte und bis zu mir im SB gefoldet wurde. Ich hielt 10-10 und limpte mit zwei Gewissheiten in den Pot ein

1. mein BB würde niemals raisen, außer er hielt ein Monster

2. der LS wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% in dieser Situation gegen die Blinds raisen, egal mit was für einer Hand.

Und so geschah es auch, der Kollege neben mir callte auf 10 und Herr LS erhöhte auf 45. Ich feuerte daraufhin freudig 155 in den Pot, worauf der BB foldete. Ohne Überraschung callte der LS meinen Raise und wir sahen den Flop AQ3. Normalerweise kein idealer Flop, aber ich wußte,daß ich diesen herrn an dieser Stelle aus dem Pot drängen konnte, da ich mit AK vor dem Flop ein ReRaise bekommen hätte, konnte mich in diesem Augenblick nur AQ meinen schnell geschmiedetem Plan widerstehen.

Ich wollte den Flop als check-raise spielen und klopfte deshalb in spannender Erwartung auf den grünen Filz, nur um ein weiteres Klopfen zu vernehmen. Mein Gegner erwiderte: I don´t you your pocket Aces off. Interessante Information.

Der Turn brachte ein blank und nun spielte ich 185$ an, worauf mein Gegner foldete und behauptete eine Ass gehabt zu haben. Ich merkte, daß ihm die Situation nicht sonderlich gut geschmeckt hat und weitete deshalb meinen Plan, gegen diesen Spieler große Pots zu spielen aus.

Ich zeigte meine 10-10 mit dem Kommentar………….you talk too much, don´t mess with me.

Ohhhh, ich merkte, wie es dem Herrn nun die Tiltröte ins Gesicht trieb und entschloss, gegen diesen Gegner meine Range preflop zu erweiteren. Ich hatte einen neuen Feind am Tisch und in den nächsten Händen wurde sein Spiel noch wüster und unkontrollierter als vorher. Ich beobachtete dies mit Freude und behielt seinen Stack ganz besonders im Auge. Er hatte noch 850$ behind.

Doch dann kam es zu einer Situation, die mir nicht gefallen hat.

Der Spieler neben mir, den ich anfangs als weak tight identifiziert hatte war in einem Pre-Flop geraisten Pot mit dem getilteten Spieler. Der Flop las sich

Q 4 Q

und beide checkten.

Der Turn brachte eine auf den ersten Blick unbedeutende 5 auf den Tisch.

Nun spielte der weak tighte Spieler an………so ca. 60 in einen Pot von 80.  In diesem Spot sehr verdächtig, da Top Pair Top Kicker ja einen Drilling gemacht hätten.

Auf jeden Fall Raiste der Gegenspieler auf 195 und erhielt postwendend einen Re-Raise auf 410.    Klingeling………Klingeling………was is den hier los……….

Ohne zu zögern und mit hochrotem Kopf schob der getiltete Spieler nun seinen gesamten Stack in die Mitte. Er wollte dem Tisch zeigen, daß er sich nicht mehr aus einem Pot verdrängen ließ und zeigte stolz nach dem Call des weak tighten Spielers QJ für einen gefloppten Drilling.

An dieser Stelle startet die Analyse.

Der weak tighte Spieler hätte niemals mit einem schwachen, oder einem guten Blatt einen Re-Raise gespielt. Auch war die Range, mit der der weak tighte Herr einen Preflop Raise callte auf max. Q10 auszudehnen. In dieser Situation konnte Herr Tilt auch genau eine Kartenkombination aus der Range des weak tighten Spielers schlagen……nämlich besagte Q10.

Ein Bluff war an dieser Stelle nach der Action ausgeschlossen und ich hätte mich spätestens nach dem Re-Raise gefragt, ob ich mit QJ gegen diesen Spieler noch vorne bin. Eher nicht……………..und so brachte der Spieler, den ich vorher genau mit dieser Absicht auf tilt gesetzt hatte, gegen die 5-5 des Gegners 850$ unter und verließ daraufhin ausgebrannt den Tisch.

Ich ärgere mich deshalb, da der weak tighte Spieler bestimmt nicht meine Absichten erkannt hat und hier zufällig in eine große Hand verstrickt war, die ich eigentlich spielen wollte. Zu allem Überdruß verließ der Gewinner dieser Hand nach dem Spiel ebenfalls den Tisch, da er bemerkte, daß es wohl an diesem Tag nicht besser hätte laufen können.

Da hatte er recht, aber ein paar Chips hätte er in seiner Euphorie dann doch noch verspielen können.

Resüme: Es ist manchmal mehr als sinnvoll, seine Karten zu zeigen, wenn man damit ein ganz bestimmtes Ziel, oder eine eindeutige Strategie verfolgt. Man sollte dann aber darauf achten, das diese Strategie zum eigenen Vorteil ausfällt.

So long……

TheLittleSheep

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